Das Magazin für Holz- und Blechblasinstrumente

1/2023 (Januar/Februar) - die aktuelle sonic sax & brass Ausgabe, als gedrucktes Magazin oder online lesen. Hier geht es zum digitalen Archiv: www.sonic.de/archiv/ausgaben

Nachruf: Gerd Dudek

Die Bewunderung vieler Jazzkollegen für den Saxofonisten Gerd Dudek, geboren in Groß-Döbern bei Breslau (Polen) am 28. September 1938, war stets groß und empathisch. Doch er blieb zeitlebens ein Musician’s Musician: still und geheimnisvoll, wie Ekkehard Jost, der Chronist des europäischen Jazz, feststellte. Denn sogar fachkundiges Publikum und Journalisten wunderten sich, dass Gerd Dudek kaum medial wahrgenommen wurde, obwohl er doch in der Jazzszene Westdeutschlands, wo seine Familie sich 1950 in Siegen niedergelassen hatte, ziemlich schnell omnipräsent war.

Zielstrebig konnte Gerd Dudek, er hatte ab 1953 privaten Klarinettenunterricht, zunächst in einer von seinem Bruder geleiteten Tanzkapelle Erfahrungen sammeln, um sich dann ab 1965 beim Orchester Kurt Edelhagen als Profi zu bewähren. Im regionalen Kontext des WDR nahm Gerd Dudek Kontakt zur gerade entstehenden Avantgarde um Trompeter Manfred Schoof und Pianist Alexander von Schlippenbach auf. Er schloss sich deren improvisierendem Globe Unity Orchestra 1966 an, weiters dem vom deutschen Bassisten Ali Haurand gegründeten European Jazz Quintet, mit dem er auch später noch zusammenarbeitete.

In dieser Zeit zeichnete seinen Stil, gemäß Ekkehart Jost, kontrollierte Gestaltung von Energie- und Klangstrukturen und die gelungene Kombination von instrumentaltechnischer Sicherheit und gesteigerter Emotionalität aus. Dennoch hatte er als Tenorist eine konstante Neigung zur Melodik, wie etwa bei Aufnahmen mit Pianist Wolfgang Dauner und Geiger Jean-Luc Ponty zu hören ist. Seine Qualitäten als ebenso origineller wie anpassungsfähiger Solist brachten ihm Engagements bei Posaunist Albert Mangelsdorff, Trompeter Don Cherry und Pianist George Russell sowie Pianist Joachim Kühn und Trompeter Enrico Rava. Trotz vermeintlicher Free-Jazz-Assoziationen hatte Gerd Dudek auf dem Tenor- und Sopransaxofon einen lyrischen Sound, an der Querflöte eine vollkommene Fähigkeit zu komplexen Improvisationen. Ihn zu hören und seinen zurückhaltenden Habitus zu beobachten, war immer eine Freude. Gerd Dudek scheute das grelle Licht. Er starb am 3. November 2022 in Siegen.

 

Text: Hans-Dieter Grünefeld